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IG Metall Siegen demonstriert Stärke und Entschlossenheit

Größter Warnstreik in NRW mit über 3000 Metallern

30.01.2015 I Mit dem größten Warnstreik in NRW in der laufenden Tarifrunde hat die IG Metall Siegen eindrucksvoll demonstriert, dass sie ihre Stärke abrufen kann, wenn es darauf ankommt: Über 3000 Metaller aus Siegen-Wittgenstein haben im Großen Saal der Siegerlandhalle lautstark und entschlossen Flagge gezeigt – eine Bestätigung dafür, dass die Gewerkschaft voll und ganz die Bedürfnisse der Beschäftigten in den hiesigen Betrieben trifft.
„Wir machen Druck, damit die Arbeitgeber sich bewegen“, versicherte der 1. Bevollmächtigte Hartwig Durt. Er brach zunächst eine Lanze für die Meinungsfreiheit und Vielfalt angesichts der brutalen Anschläge in Paris. Er ging auf das Motto der Tarifrunde „Wir für mehr“ ein: „Wir sind ganz viele! Wir wollen mehr haben! Und wir wollen noch mehr werden!“ 5,5% mehr Lohn seien gerechtfertigt, schon weil die Unterschiede zwischen Arm und Reich wüchsen, weil die Schere zwischen Gewinnen und Löhnen immer größer geworden sei. Die Forderung orientiere sich an der Produktivitätsentwicklung und an der Inflationserwartung. Selbst die Deutsche Bundesbank ermutige zu Lohnerhöhungen. „Die Beschäftigten leisten Tag für Tag gute Arbeit. Wir wollen einen Teil vom Kuchen abhaben“, forderte Durt. Altersteilzeit habe sich bewährt, laufe aber nicht optimal: Je kleiner der Betrieb und je kleiner das Einkommen, umso weniger werde Altersteilzeit genutzt, berichtete Durt. Das Modell verdiene aber eine Erweiterung statt einer Beschneidung, die die Arbeitgeber wollten. Die IG Metall wolle den schrittweisen Ausstieg durchsetzen, denn, so Durt: „Viele wollen nicht mehr, viele können nicht mehr!“ Und die wollten am Ende ihres Arbeitslebens in Rente und nicht ins Grab. Gar kein Angebot bei der Weiterbildung seitens der Arbeitgeber ist für die IG Metall absolut inakzeptabel. „Die Arbeitgeber verteilen Bildung nach dem Motto: ‚Wer hat, dem wird gegeben!‘ Da muss sich etwas ändern“, forderte Hartwig Durt angesichts des Fachkräftemangels, des demografischen Wandels und der Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems, in dem gerade Arbeitslose, Ungelernte, gering Qualifizierte und Zuwanderer deutlich weniger Zugang zu Weiterbildung hätten. Auch Belegschaften aus Unternehmen, in denen es gerade nicht ganz rund läuft, wie die von SMS Siemag, traten in den Streik. Der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Siegen und zugleich Siemag-Betriebsrat, Tobias Tigges, brach eine Lanze für die Altersteilzeit: „Nur durch sie haben wir viele Arbeitsplätze sichern können.“ In vielen Betrieben würden die Quoten jedoch nicht ausgeschöpft. „Das Arbeitgeber-Angebot mit einer Quote von 2% ist eine Frechheit“, schimpfte Tigges. „Wir brauchen einen Rechtsanspruch für jedes IG-Metall-Mitglied.“ „Nachhilfe zum Thema Weiterbildung“ gab Reiner Urbicks, Betriebsrat von Salzgitter Mannesmanm Präzisrohr, den Arbeitgebern, die alles alleine regeln wollten: Weiterbildung sei in den Betrieben dem Prinzip Zufall überlassen“, kritisierte Urbicks. „Bei der Bildungsteilzeit geht es doch nicht um den Häkelkurs auf Mallorca“, begegnete er den Befürchtungen der Arbeitgeber. Es gehe um Standortsicherung. „Geht in die Betriebe und überzeugt die, die noch nicht überzeugt sind!, appellierte Hartwig Durt abschließend an die Metaller.