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Detlef Wetzel sprach beim Neujahrsempfang der IG Metall Siegen

Neujahrsempfang mit Detlef Wetzel

26.01.2014 I Die Angestellten stehen in diesem Jahr im Fokus der IG Metall Siegen. Das erläuterte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Siegen, Hartwig Durt, beim Neujahrsempfang der Gewerkschaft im Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle. Gastredner war der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel, der frühere Bevollmächtigte der IG Metall Siegen.
Detlef Wetzel, umrahmt von seinem Nachfolger als Erster Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, Hartwig Durt (l.), und seinem Vorgänger Helmut Ermert.
Durt betonte vor rund 300 Arbeitnehmervertretern aus Siegen-Wittgenstein, dass bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr neben jungen Leuten und Frauen die kaufmännischen und technischen Angestellten die Hauptzielgruppe seien. Zum Einen seien die Arbeitsbedingungen im Büro oft schlecht, zum anderen wachse der Anteil der Angestellten an den Beschäftigten in der Industrie. „Deshalb beschäftigen wir uns jetzt ausführlich mit ihnen und wollen den Organisationsgrad in den Büros steigern“, kündigte Hartwig Durt an.
Rund 300 Betriebsräte, Jugendvertreter und Vertrauensleute kamen zum Neujahrsempfang der IG Metall.
Die Ausgangslage dafür ist gut, denn die IG Metall Siegen hat nach wie vor – trotz Stellenabbau in einigen Betrieben – über 25.000 Mitglieder, und 90 Prozent der Belegschaften haben einen Betriebsrat. Das Thema „Betriebe ohne Betriebsrat“ gilt als so gut wie abgeschlossen, dennoch appellierte Gewerkschaftssekretär Andrée Jorgella, die Augen offen zu halten: Es gebe immer wieder vereinzelt Handlungsbedarf. So sind in diesem Jahr vier neue Betriebsratswahlen geplant. Auch die letzten verbliebenen Industriebetriebe ohne Tarifvertrag liegen der IG Metall Siegen am Herzen: Vertreter von über 50 Belegschaften arbeiten zurzeit mit Gewerkschaftssekretär Hans-Jürgen Groß an der Einführung der Tarifbindung.
Helmut Kretzer berichtete vom Wissenstransfer im Betriebsrat von Walzen Irle. Alexander Völkel (l.) moderierte die Podiumsdiskussion, an der auch Stefan Pätzke teilnahm.
Davon können viele Leiharbeiter nur träumen. Immerhin, so Kollege Marco Schmidt, hätten sechs Leiharbeitsfirmen in Siegen-Wittgenstein Haustarifverträge mit der IG Metall abgeschlossen. Doch die allermeisten Leiharbeiter seien außen vor. „Leiharbeit, Werkverträge, Befristungen – wir haben große Probleme. Statt Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse brauchen wir Solidarität“, appellierte Detlef Wetzel. Die IG Metall wolle künftig mehr „Menschen erreichen, von denen uns einiges trennt“. Auch dazu wolle sie ihre Kampagnenfähigkeit weiter steigern. Wetzel motivierte die hiesigen Gewerkschafter, die Betriebsratswahlen auch dazu zu nutzen, „die Basis in den Betrieben weiter auszubauen und die Vielfalt der heutigen Arbeitswelt“ einzubeziehen.
Gewerkschaftssekretär Marco Schmidt appellierte, auch Leiharbeiter mit ins Boot zu holen.
Der neuen Bundesregierung stellte der IG-Metall-Chef ein durchwachsenes Zeugnis aus: Der geplante gesetzliche Mindestlohn und endlich wieder eine Besserstellung der Rentner seien erste richtige Schritte. Wetzel kritisierte aber scharf die „giftige Diskussion“ über die Rentenpläne: „Dabei geht es doch nur darum, den Beitragssatz der Arbeitgeber nicht steigen zu lassen.“ Nicht der demografische Wandel, sondern die schlechte Bezahlung junger Arbeitnehmer führe zu finanziellen Engpässen in der Rentenversicherung. Als große Schwachstelle im Koalitionsvertrag bezeichnete er die Werkverträge, die weiter zur Ausbeutung missbraucht werden könnten. Mit einer Podiumsdiskussion mit Betriebsräten und jungen IG-Metallern aus der Region endete der Neujahrsempfang: Dabei ging es unter anderem um die Nachfolge im Betriebsrat mittels eines professionellen Wissenstransfers von erfahrenen Kollegen an die neuen, wie er bei Walzen Irle praktiziert wird. Deutlich wurde auch, dass junge Leute in der Betriebsratsarbeit sehr wichtig sind, weil andere junge Kollegen sich am ehesten von ihnen motivieren lassen. Arbeitnehmervertreter Stefan Pätzke erzählte die spannende Geschichte der Betriebsratsarbeit bei der Firma Birkelbach Kondensatorentechnik mit über 100 Beschäftigten: Die ersten Treffen fanden im betrieblichen Umkleideraum statt, inzwischen liegt der Organisationsgrad bei über 70 Prozent, und die Tarifbindung ist eingeführt. „Von Null auf Hundert – ich bin vollauf begeistert von Birkelbach“, kommentierte Hartwig Durt.
Vor dem Arbeitsprogramm stand ein gemeinsames Frühstück auf der Agenda.
Auch die Jugend ist in der IG Metall Siegen stark vertreten.
In der Pause gab's gute Unterhaltung.