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12. Betriebsrätetag der IG Metall Siegen

Ein Problem – viele Herausforderungen

24.10.2013 I Der demografische Wandel hat viele Facetten. Auf den vielfältigen Herausforderungen und Konsequenzen für Beschäftigte und die Arbeitswelt lag der Fokus beim 12. Betriebsrätetag der IG Metall Siegen in der Siegerlandhalle.
Lion Salomon erklärte, dass noch viel zu tun ist, um den demografischen Wandel zu gestalten.

„Dieses Problem wird von Jahr zu Jahr größer“, sagte Andree Jorgella, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Siegen. Und weiter: „Es gibt aber noch andere Probleme bei uns: Betriebe in Kurzarbeit, Betriebe mit Stellenabbau und immer mehr Abspaltungen und Verschmelzungen.“ Vor fast 300 Betriebsräten sowie Jugend- und Schwerbehindertenvertretern aus Siegen-Wittgenstein kritisierte Lion Salomon vom IG-Metall-Vorstand die betriebliche Realität angesichts alternder Belegschaften: „Wir sind weit davon entfernt, dem demographischen Wandel gewachsen zu sein.“ Damit sich das ändert, fährt die IG Metall mit der bundesweiten Kampagne „Gute Arbeit – Gut in Rente“ eine Doppelstrategie: Sie übt Druck auf die Politik und auf die Arbeitgeber aus. Verbessert werden soll beispielsweise die alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung, die ein Teil der Gewerkschafter in Seminaren der Technologieberatungsstelle des DGB-Bezirks NRW vertiefte: Referentin Stefani Mehring riet, zunächst festzustellen, was im eigenen Betrieb bereits umgesetzt wird, und daraus zu folgern, was wie optimiert werden kann. Ein Verfahren dazu haben das Arbeitsministerium, die Arbeitgeberverbände und der DGB NRW mit dem Programm „Demografie aktiv“ für Betriebe entwickelt. Die Dramatik des demografischen Wandels in Siegen-Wittgenstein spiegelt die Zahl der Schulabgänger, die bis 2019 um ein Viertel sinkt. Die betriebliche Ausbildung sei stark unter Druck, erklärte Klaus Gräbener, Geschäftsführer der IHK-Siegen für Aus- und Weiterbildung. Hinzu kämen die fehlende Ausbildungsreife bei vielen Schülern und die „Inflationierung der Abiturienten“. Die Betriebe müssten sich für schwächere und stärkere Schulabgänger attraktiv machen. Für eine strukturierte Personalentwicklung in den Betrieben sensibilisierte Rita Kley vom Personaldienstleister Quatro TransFair GmbH. Deren Bedeutung nehme zu, denn: „Die Jungen haben die Macht der Demografie.“ Da sie sich zunehmend ihre Arbeitgeber aussuchen könnten, sei in den meisten Betrieben eine Veränderung der Unternehmenskultur nötig. Zusätzlich veranschaulichte die Referentin Instrumente der Personalentwicklung. Dazu zählen auch Bildung und Weiterbildung, auf deren Verbesserung die IG-Metall-Kampagne „Revolution Bildung“ zielt. Sie fordert – auch, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – mehr Chancengleichheit und dass kein Jugendlicher ohne Ausbildungsabschluss bleibt. Ein Seminar, in dem es um die Umsetzung von Elementen der Kampagne in den Betrieben geht, richtete sich vor allem an die Jugend- und Auszubildendenvertreter Personal halten, auch in schlechten Zeiten, wie einige Unternehmen der Region sie gerade durchmachen – darum ging es im Themenblock „Instrumente haben, wenn es eng wird“. Der Arbeitnehmertausch unter Unternehmen im Kreisgebiet und die Siegener Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft Quatro Transfair sind mit maßgeblicher Beteiligung der IG Metall Siegen entwickelt worden und haben sich bewährt. Der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung hilft in der Region, mit flexiblen Arbeitszeit- und Entgeltregelungen Arbeitsplätze zu erhalten Bei der Kurzarbeit hingegen kritisiert die IG Metall die Kürzung der Bezugsdauer ab Januar 2014. Sie fordert, dass dieses Instrument künftig wieder stärker zur Beschäftigungssicherung genutzt wird. Wie Betriebsräte bei Betriebsumwandlungen Einfluss nehmen können, erläuterte Unternehmensberaterin Gertrud Heimel. Die Vorgehensweise von Betriebsräten sei immer dieselbe. Wichtig sei, im Vorfeld genau zu hinterfragen, was der Arbeitgeber vorhat, die Folgen und rechtlichen Möglichkeiten auszuloten und bei Bedarf die IG Metall mit ins Boot zu holen.