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Jahresempfang der IG Metall Siegen

Den industriellen Wandel gestalten – die Basis beteiligen

22.02.2020 I Angesichts der digitalen und ökologischen Transformation der Industrie arbeitet die IG Metall auf allen Ebenen vom Vorstand bis an die betriebliche Basis an großen Zukunftsaufgaben. Das ist beim sehr zukunftsorientierten Jahresempfang der IG Metall Siegen im Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle am Samstagmorgen deutlich geworden.

Doch zunächst blickte der Erste Bevollmächtigte Andree Jorgella vor rund 260 Betriebsräten und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten zurück auf 2019. Angesichts der in der Region schwierigen Zeiten inklusive Stellenabbau und -verlagerungen zog er eine positive Bilanz. Die Mitgliederzahl ist mit rund 24.500 stabil.

Jörg Hofmann, der Erste Vorsitzende der IG Metall, betonte, auf den strukturellen Umbau der Industrie, der mit zunehmendem Stellenabbau in Deutschland und Verunsicherung einhergehe, gebe die IG Metall eine solidarische Antwort: den „Fairwandel“, das soziale, gerechte und selbstbestimmte Mitgestalten der Transformation. „Technischer Fortschritt war immer auch sozialer Fortschritt“, sagte Hofmann. Auch im jetzigen digitalen und ökologischen Umbruch stelle die IG Metall gute Arbeit für alle in den Mittelpunkt. Das sei im Übrigen auch der beste Weg, um rechtsradikale Saat im Keim zu ersticken.

„Fairwandel“ in den Betrieben sei auch das leitende Motiv in der bevorstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. „Wir brauchen Zukunftstarifverträge“, sagte Hofmann. Dafür will die IG Metall ihre tarifliche Verhandlungsmacht einsetzen. Nötig sind auch gesetzliche Rahmenbedingungen für gute Arbeit, etwa durch die Verbindung von Qualifizierung und Kurzarbeit. Dafür hat der Koalitionsausschuss im Januar den Weg freigemacht. Die IG Metall war daran wesentlich beteiligt. „Die IG Metall vom Betrieb aus denken“ ist ein neues Projekt der gesamten IG Metall, in dem die Geschäftsstelle Siegen eine Vorreiterrolle spielt. Dabei geht es um die Frage, wie die IG Metall sich verändern muss, damit auch in der Transformation gute Arbeit für alle entsteht. Zentrales Element dabei ist mehr Beteiligung, aber auch Konfliktfähigkeit. Dabei ziehen gewerkschaftliche Vertrauensleute in den Betrieben, deren Rolle gestärkt werden soll, und Betriebsräte noch mehr mit ihrer Gewerkschaft an einem Strang. Als gute Beispiele für eine gute Beteiligungsorientierung wurden die SMS Group und Achenbach Buschhütten vorgestellt.

Beteiligungsorientierung prägte auch den Jahresempfang selbst. So stieß die „Fishbowl“-Diskussion auf große Resonanz, bei der das Publikum spontan aufs Podium eingeladen war, um zu diskutieren, zu fragen, zu kritisieren. Dabei wurde deutlich, dass die IG Metall und die betrieblichen Interessenvertretungen sich in der Sache einig sind: etwa darin, mehr Angestellte zu gewinnen, das Potenzial der Jugend besser zu nutzen und mehr Freiräume für Beteiligung in den Betrieben zu schaffen. Andree Jorgella motivierte abschließend die IG Metallerinnen und IG Metaller, Teil des Veränderungsprozesses zu werden.