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Metaller in Siegen-Wittgenstein sind stinksauer auf die Arbeitgeber

Friedenspflicht bis 23.59 Uhr – Warnstreik ab 0.00 Uhr

29.04.2016 I Die Metaller und Metallerinnen auch in Siegen-Wittgenstein sind mit ihrer Geduld am Ende und stinksauer. Die Nachtschicht von Siegenia demonstrierte in der Nacht zum Freitag ihre Entschlossenheit. Die Friedenspflicht endete um 23.59 Uhr – und um 0.00 Uhr war Warnstreik angesagt: Rund 80 Beschäftigte des Niederdielfener Metallverarbeiters legten ihre Arbeit nieder und protestierten gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einiger anderer Betriebe vor dem Werkstor.
Dirk Kubosch, der Betriebsratsvorsitzender bei Siegenia-Aubi, räumte zwar die wirtschaftlich angespannte Lage bei Siegenia Aubi ein, erklärte aber: Wir wollen wenigstens eine moderate Lohnerhöhung für unsere Beschäftigten herausholen, um die Kürzungen, die wir seit drei Jahren hinnehmen müssen, etwas auszugleichen.“ Insgesamt seien die Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie aber in einer guten Lage, erklärte Andree Jorgella, Geschäftsführer der IG Metall Siegen. Dennoch waren die Arbeitgeber mit dem Angebot von nur 0,9 Prozent Lohnsteigerung in die Tarifverhandlungen gegangen – so wenig hatten sie seit 20 Jahren nicht geboten. Jorgella: „So viel Sturheit, soviel Unvernunft haben wir, soweit ich zurückdenken kann, noch nicht aushalten müssen.“ Die dritte Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgebern und IG Metall in NRW, in der auch Hartwig Durt, noch Geschäftsführer der IG Metall Siegen, mit am Tisch saß, war am Freitagabend in Neuss ergebnislos zu Ende gegangen. Jetzt bieten die Arbeitgeber 2,1 Prozent, und das in zwei Stufen über 24 Monate – darauf kann es laut Jorgella nur eine Antwort geben: „Massive Warnstreiks!“ Die Metaller führen die konstant hohe Auslastung und überdurchschnittliche Renditen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ins Feld. Die Arbeitgeber grüben wieder einmal die Mär von der „Gefahr für den Produktionsstandort Deutschland“ aus und drohten mit der Verlagerung ins Ausland. „Die deutsche Industrie ist wettbewerbsfähig und hochprofitabel, das zeigen die wachsenden Exporte, die hohe Auslastung und die Renditen der Unternehmen deutlich“, hielt Jorgella dagegen. Zudem seien Lohnerhöhungen nicht nur gerecht, sondern auch volkswirtschaftlich geboten. Schließlich trage der private Konsum einen Löwenanteil daran, dass die deutsche Wirtschaft laufe. „Wer den Konsum mit falscher Lohnpolitik abwürgt, der würgt auch die Konjunktur ab“, warf der IG Metaller der Arbeitgeberseite vor. Der Warnstreik bei Siegenia war erst der Anfang. Fortsetzungen in weiteren Betrieben in Siegen-Wittgenstein folgen.